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Deutsche sind Wirtschaftslaien

Mittwoch, 30. April 2008 · 1 Kommentar

Das hat bereits Fred. B. Irwin, Chef der US-Handelskammer in Deutschland, festgestellt, von ihm stammt nämlich wortwörtlich dieses Zitat. Doch auch Deutsche zeigen sich mehr und mehr einsichtig darüber, dass sie ohne Eliteuniabschluss von Wirtschaft nichts verstehen. Dr. Dirk Markus zum Beispiel, CEO der Beteiligungsgesellschaft Aurelius Invest und Absolvent der Uni St. Gallen, verdient damit seine Brötchen: er kauft deutsche Unternehmen mit hohem Produkt Know-How, aber mangelnder kaufmännischer Kompetenz. Diese saniert er und verkauft sie weiter. In der Bloomberg Chefsache hat er offen gestanden: Die Deutschen haben von Wirtschaft keine Ahnung.

Warum eigentlich?

Die Hauptschuld tragen definitiv das Bildungs- und Sozialsystem der Bundesrepublik. In der Schule lernt man nur in dem ersten Halbjahr der zwölften Klasse etwas über Wirtschaft, wobei dieses Wissen nicht ein mal die Basics beinhaltet. Preisbildung wird zwar gepaukt, aber nicht verstanden. Haupt- und Realschüler sind ohnehin außen vor – vielleicht, damit sie die Missstände in unserem Lande nicht hinterfragen können und sich mit Jammern, statt Taten beschäftigen sollen? Gymnasialschüler hingegen fühlen sich privilegiert und auf der sicheren Seite. Die Karriere wird praktisch zum Selbstläufer, warum also noch nachdenken oder sich gar engagieren?! Die Diskussion um gerechte Löhne deckt auf, wie weichgespühlt die Gehirne der Schüler werden. Sozialisten propagieren, dass Löhne von 7,50€ die Stunde niemals gerecht sein können und Managergehalter gedeckelt werden müssen. Löhne sind immer Gerecht. Ein Lohn entsteht durch die Zusammenkunft zweier Menschen, genauer gesagt dreier. Der eine sucht jemanden, der etwas für ihn macht. Egal ob Fußballstar, Manager, Ingenieur oder Friseur. Der zweite Verfügt über die Voraussetzungen, diese Arbeit zu verrichten. Der Dritte klaut 50% des Gehaltes.

Warum verdient ein SAP-Berater 80.000€/Jahr, eine Putzfrau nur 6€/Stunde? Diese Frage ist eigentlich schon fast peinlich, aber anscheinend herrschen enorme Irrtümer in der Bevölkerung. Eine Tätigkeit, die hohe Qualifikation oder persönliche Anforderungen (Talent, Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, etc.) mit sich bringt, kann prinzipiell von weniger Menschen verrichtet werden als eine, die in zwei Tagen erlernbar ist. Hohe Qualifikation heißt aber nicht gleich hohes Gehalt, wenden zumindest die Schüler eines Abiturkurses ein. Sozialarbeiter und Lehrer haben ja auch studiert und verdienen nicht so viel. Hier greift das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Gibt es viele Leute mit der gleichen Qualifikation, die sich um die selbe Stelle streiten, so wird zwangsläufig zu einem günstigeren Preis gearbeitet, um seine eigene Inkompetenz mit Wirtschaftlichkeit zu kompensieren. Ein hervorragender Lehrer, der Karriere machen will, verdient sicherlich mehr als das doppelte als der deutsche Durchschnittslehrer – er arbeitet schließlich nicht in Deutschland.

Das Sozialsystem schließlich gibt der wirtschaftlichen Vernunft noch den Dolchstoß. Leistung wird konsequent bestraft. Das von den Gewerkschaften erkämpfte Tarifsystem leistet keinen Anreiz zu mehr Leistung. Warum soll man sich auch mehr Mühe geben, als der Tischnachbar, wenn man doch ohnehin die gleiche Vergütung erhält? Um zu sehen, was das Leben der Deutschen ausmacht, macht es keinen Unterschied, ob man den Gehirnspülsender Prosieben oder den Gehirnwäschesender NTV einschaltet: Finanzspekulanten von KKR und Permira haben jegliche Intelligenz aus dem Programm gestrichen und auf der Jagd nach Synergieeffekten flattern nun die gleichen, stupiden Berichte zunächst bei Sam, anschließend in Taff, abends noch mal in Galileo und am Wochenende auf N24. Die Programme sind so ausgerichtet, dass selbst bei schlechten Nachrichten der Sündenbock immer auf unbekannte Instanzen gelenkt wird. Und die Bevölkerung macht mit, ebenfalls von den verblödenden Printmedien angezettelt. Dass man zur Bild nichts mehr sagen muss ist klar, aber dass der Spiegel Tatsachen verdreht und Steuersenkungen beim Kraftstoff mit Planwirtschaft vergleicht, ist ein Missstand, dem man nicht weiter zusehen kann. Der geniale Kabarettist Josef Hader bringt es in seinem aktuellen Programm auf den Punkt: „Einen Trottel erkennt man daran, dass er auf alles schimpft, was weit weg ist: die Regierung! die EU! Amerika!“.

Wirtschaft wird in der deutschen Bevölkerung prinzipiell als langweilig empfunden. Hat man zu Hause auf dem Schreibtisch Harvard Business Reviews liegen, wird man von manchen Gästen erstaunt gefragt: „Liest du das wirklich? Das ist doch langweilig!“. Um diesen Missstand zu ändern, sollte man an der Wurzel beginnen. Es gibt bereits Ansätze, so führt ein Heidelberger Gymnasium mit seinen zwölften Klassen ein Planspiel durch, in dem man ein Brettspiel entwirft und über lokale Printmedien vermarktet. Das ist aber wie erwähnt ein Pilotprojekt und gehört nicht in einen Wirtschaftskurs von Erwachsenen, sondern allenfalls in die Unterstufe. Volljährige Schüler müssen lernen, was ein gesundes Unternehmen ausmacht, jeweils 100€ in einen Topf werfen und sich an Unternehmen beteiligen. Oder aus diesem Topf ein eigenes, kleines Unternehmen gründen. Mich würde mal interessieren, welches Unternehmen in Babyschuhen seinen Mitarbeitern Stundenlöhne von über 10€ auszahlen würde.

- G. Smiff

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1 Antwort bis hierher ↓

  • limabravo // Mittwoch, 30. April 2008 um 18:09

    Tach,

    Wem hat Deutschland eigentlich seinen Wohlstand zu verdanken? Wenn hier keiner durchblickt muss uns jemand anderes dazu verholfen haben.

    Das Geschäftsmodell von Herrn Markus funktioniert auch in anderen Ländern. Ich vermute, dass man auch in den USA ein solches Geschäftsmodell fahren könnte.

    Löhne sind dann wohlfahrtsmäßig optimal, wenn Arbeitsmärkte ohne Verzerrungen funktionieren. Übermäßig starke Gewerkschaften oder Monopolarbeitgeber können als solche bezeichnet werden. Die Frage der Gerechtigkeit kann nicht objektiv beantwortet werden.

    Weiterhin sollte der Lohn in einem gesunden Verhältnis zur Wertschöpfung des Leistenden stehen. Bei einem Autoverkäufer kann man leicht feststellen, welchen Beitrag er leistet (Umsatz). Bei einem Vorstandsvorsitzenden wird es kompliziert.

    Wer ist eigentlich der geheimnisvolle Dritte?

    Bezüglich des Mangels an wirtschaftswissentschaftlicher Grundbildung der Schüler, stimme ich zu.

    Bezüglich des niedrigen Niveaus des deutschen Fernsehens stimme ich zu. Allerdings scheint dieses Medium dazu zu neigen sich langfristig in eine solche Richtung zu bewegen.

    mfg

    Limabravo

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